Wanderung an der Küste

Die Frühgeschichte der Cöte d'Azur beginnt um das Jahr 1000 v.Chr., als die Ligurer an einem breiten Streifen der Mittelmeerküste siedelten. 600 v.Chr. gründeten die griechischen Phokäer dann Marseiile. Sie brachten nicht nur Oliven-, Feigen-, Nuß- und Kirschbäume sowie Rebstöcke mit, sondern sie führten auch das Geldwesen ein. Im fünften und vierten Jahrhundert vor Christus errichteten die griechischen Siedler von Marseiile Handelskontore in Hyeres, St.Tropez, Antibes, Nizza und Monaco. Auch die Kelten siedelten im südfranzösischen Raum und vermischten sich mit den Ligurern. 122 v.Chr. wurden sie von den Römern geschlagen; 102 v.Chr. folgte die Niederlage der Teutonen bei Aix (Aquae Sextiae) durch den römischen Feldherrn Marius. 49 v. Chr. gründete Cäsar Frejus (Forum Julii). Sechs Jahre v. Chr. unterwarfen sich die Alpenvölker dann endgültig den Römern. Das vierzig Meter hohe Siegesdenkmal zu Füßen des Mont Agel - dort, wo noch während der Kämpfe die Via Julia Augusta gebaut worden war - erinnert an diese historische Zäsur (Tropea Augusti bzw. La Turbie).

Die Via Aurelia, die übrigens über weite Strecken dort verlief, wo jetzt die Autobahn entlangführt, war eine der bedeutendsten Straßen des Römischen Reichs. Sie verband Rom über Genua, Cimiez (Nizza), Antibes, Frejus und Aix mit Aries. Alle 1478 Meter - das entspricht einer römischen Meile - zeigten Meilensteine die Entfernung zu Rom an (ein solcher Stein ist im Museum in St. Raphael zu sehen). Cimiez war Verwaltungshauptstadt der alpes maritimae. Die dortigen Ausgrabungen vermitteln noch eine Vorstellung davon, welch hochentwickelte Kultur die Römer mitbrachten.

Die unangefochtene römische Vorherrschaft brachte der Region eine vier Jahrhunderte währende Friedensperiode, die pax romana, die so lange andauerte, bis Südfrankreich im fünften und sechsten Jahrhundert nacheinander von den Wandalen, Westgoten, Burgundern, Ostgoten und Franken überrannt wurde. Im Jahre 855 wurde die Provence von dem Frankenkönig Lothar I. zum Königreich erklärt. 884 ließen sich die von Spanien eingefallenen maurischen Pira- Römische Ruinen bei Cimiten (Sarazenen) in den Bergen um Grimaud (dem Mauren-Massiv) nieder. Sie wurden 973 zwar vertrieben, überfielen das Küstenland jedoch noch bis ins 18. Jahrhundert immer wieder.

Im 10. Jahrhundert setzt die Zeit der mittelalterlichen Feudalherrschaft ein, obwohl die größte Macht in den Händen der Kirche lag, gelang es den Städten doch, weitgehend ihre Unabhängigkeit zu behaupten. Im 12. Jahrhundert fiel die Grafschaft Provence an den Grafen von Toulouse, danach an den Grafen von Barcelona. 1246 ging die Provence schließlich an das Haus Anjou. 1308 kaufte die Familie Grimaldi den Genuesern Monaco ab.